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07.04.2017 10:38 Alter: 167 Tage

Baumbesitzer haften für Schäden durch Wurzeln

Unsichtbar bahnen Baumwurzeln sich unter der Erde ihren Weg in fremde Gärten. Dabei richten sie mitunter teure Schäden an. Wenn vom Nachbargrund Baumwurzeln eingedrungen sind, die zum Beispiel Pflasterflächen anheben oder in Leitungen hineinwachsen, sollte man schnell handeln. Doch wie lässt sich herausfinden, von welchem Baum die Wurzel eigentlich stammt? Und wer haftet für die Schäden?


07.04.2017

Sie werfen Schatten und lassen ihr Laub und Obst einfach aufs nächste Grundstück fallen: Bäume geben immer wieder Anlass zum Streit zwischen Nachbarn. Richtig teuer kann es aber werden, wenn die Wurzeln eines Baumes auf das Nachbargrundstück vordringen. "Wurzeln sind wie ein Medusenkopf", sagt der Baumsachverständige Markus Streckenbach. "Wenn man eine abschneidet, wachsen drei nach."

Wurzelschäden im Abwasserkanal

Der Bochumer Biologe ist Experte für Schäden durch Baumwurzeln. "Die häufigsten Schäden, die bei mir landen, sind Wurzeln, die in Kanalisationssysteme eingedrungen sind", sagt Streckenbach. Wenn der Abwasserkanal eines Hauses erstmal mit Wurzeln zugewachsen sei, führe das mitunter zu Rückstauungen bis ins Haus. Spezialisierte Firmen könnten das Wurzelwerk beseitigen. Doch auch das Ausfräsen des Rohres, helfe nur bedingt, so Streckenbach. Früher oder später müsse der Kanal komplett saniert werden.

Bei Fundamentschäden muss der Architekt ran

"Durch Überwuchs von Wurzeln können sehr schnell sehr große Schäden entstehen", bestätigt Kai Warnecke vom Eigentümerverein Haus & Grund Deutschland in Berlin. Dabei seien verstopfte Abwasserrohre, Risse in der Auffahrt oder gepflasterte Wege, die durch die Wurzeln angehoben werden, noch das geringste Problem. Wird das Fundament des Hauses oder der Garage durch die Wurzeln angehoben, kann es zu Rissen in den Wänden kommen. "Wenn es Schäden am Haus gibt, brauchen Sie immer einen Architekten", sagt Warnecke. "Das kann richtig ins Geld gehen, da ist man sehr schnell bei einer Summe über 100.000 Euro."

Wer ist bei einem Wurzelschaden haftbar?

Bleibt die Frage, wer für die teure Wurzelbehandlung zahlen muss. "Prinzipiell gilt: Wenn die Wurzeln über die Grundstücksgrenze wachsen und es zu einer Beeinträchtigung kommt, haftet dafür der Baumbesitzer", sagt Warnecke. Der Geschädigte habe Anspruch auf Beseitigung. Komme der Nachbar dem nicht nach, dürften Grundstückseigentümer den Schaden auch selbst beseitigen und dem Nachbarn in Rechnung stellen.

Doch die Tücke liegt im Detail: "Das Gebiet ist nicht vollständig gesetzlich geregelt", erklärt Norbert Schönleber, Kölner Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht. Eigentlich hafte man im Schadensrecht nur bei Fahrlässigkeit. Bei herabfallenden Ästen oder umgestürzten Bäumen muss der Baumbesitzer beispielsweise nur zahlen, wenn er schuldhaft gehandelt hat. Die konkreten Regelungen, zum Beispiel welchen Mindestabstand ein Baum zum Nachbargrundstück haben muss, unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland.

Anders bei Baumwurzeln: Wurzeln würden von der Rechtsprechung als Störung aufgefasst, erläutert Rechtsanwalt Schönleber. Mit der Folge, dass der Verursacher der Störung die Kosten für die Beseitigung trägt. Allerdings haben Gerichte auch entschieden, dass die Haftpflichtversicherung für Haus- und Grundbesitzer bei Wurzelschäden zahlen muss – auch wenn es sich streng genommen nicht um fahrlässiges Verschulden handelt.

Den richtigen Baum zur Wurzel finden

Doch ein Versicherungsfall lässt sich nur klären, wenn der Verursacher des Schadens bekannt ist. Hier kommt Wurzelgutachter Markus Streckenbach ins Spiel: "Ich werde hinzugezogen, wenn unklar ist, welcher Baum die Schäden verursacht hat", erklärt der Biologe. Um den Übeltäter zu ermitteln, vergleicht Streckenbach unterm Mikroskop Proben der Problemwurzel mit den Baumarten vor Ort. "Mit entsprechenden Vergleichsproben aus dem Botanischen Garten lässt sich der richtige Baum bestimmen." Häufig seien Weiden, Ahorn und Platanen die Verursacher der Wurzelschäden - schon wegen der großen Verbreitung.

Mitschuld bei Wurzelschäden ist möglich

Doch auch wenn der Baum eindeutig bestimmt ist, ist der Versicherungsfall noch nicht geklärt. Den Geschädigten könne nämlich auch eine Mitschuld treffen, sagt Rechtsanwalt Schönleber. "Ein Mitverschulden lag beispielsweise vor, als jemand direkt neben einem Baumgrundstück einen Tennisplatz gebaut hat, der sich durch die Wurzeln gehoben hat." Hier hätte der Bauherr entsprechende Sicherungsmaßnahmen ergreifen müssen.

"Mitverschulden kann zu einer Beteiligung an den Kosten zwischen null und hundert Prozent führen", sagt Schönleber. Das gelte beispielsweise auch, wenn beim Verlegen von Rohren gepfuscht wurde. "Das schafft natürlich Konfliktpotential für gerichtliche Auseinandersetzungen." Im Interesse einer guten Nachbarschaft sollte man dennoch versuchen, den Versicherungsfall mit dem Nachbarn einvernehmlich zu lösen, rät der Anwalt.

"Es ist immer gut, wenn das nachbarschaftliche Verhältnis nicht belastet werden muss", sagt auch Warnecke. Nicht immer müsse ein Streit vor Gericht ausgefochten werden. In einigen Bundesländern sei ein vorgerichtliches Streitschlichtungsverfahren sogar Pflicht.

Experten können mögliche Schäden verhindern

Warnecke rät, schon vor dem Eintreten eines Schadenfalls regelmäßig einen Experten zu Rate zu ziehen, der die von den Bäumen ausgehende Gefahren einschätzen kann. "Oft lässt sich die Wuchsrichtung der Wurzeln schon am Baum gut erkennen." Ein Forstwirt oder ein Gartenbauer könne dann entscheiden, ob der Baum gefällt werden muss oder nicht. "In gewissen Abständen sollte sich ein Sachverständiger die Bäume ansehen", sagt auch Anwalt Schönleber. Ein Auto müsse schließlich auch alle zwei Jahre zum TÜV. Die regelmäßige Baumschau durch Sachverständige sichert Baumbesitzer auch ab, wenn Äste bei einem Sturm oder nach starkem Schneefall abbrechen und Schäden verursachen.

Wenn Sie die Wurzeln entfernen möchten, können Sie hier mehr darüber erfahren.

 

Quelle: zuhause.de,