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Sozialverträglicher Energiewandel geht nur freiwillig

14.03.2012 
Verband Wohneigentum lehnt Zwangsinvestitionen ab. Der Bundestag debattiert am Donnerstag die Folgen, die die Reaktorkatastrophe von Fukushima vor einem Jahr für die deutsche Energiepolitik hatte.

Aus Sicht der Verbraucher wurden viele Maßnahmen ergriffen, die oft nur unzureichend koordiniert sind. Regierung und Energiewirtschaft ziehen nicht an einem Strang. „Auch die Kommunikation mit dem Endverbraucher ist offensichtlich gestört“, beklagt Peter Wegner, Landesvorsitzender vom Verband Wohneigentum Niedersachsen e.V.. „Wir unterstützen grundsätzlich die Anstrengungen zur Energiewende, aber die Kosten müssen gerecht verteilt werden. Eine Zwangsinvestition lassen wir uns als selbstnutzende Wohneigentümer nicht auferlegen.“

Der Jahrestag des Reaktorunfalls in Japan bietet der Politik offenbar Anlass, nicht nur den Einsatz erneuerbarer Energien zu forcieren, sondern alle Stellschrauben der Energieeffizienz zu nutzen. Aus dem Bundesministerium für Umwelt und Reaktorsicherheit wurden kürzlich Pläne zur Verschärfung der Sanierungsauflagen bekannt. „Wir warnen davor, bei der Sanierung von Bestandsgebäuden die Anforderungen zu überziehen“, so Wegner. Der Verband Wohneigentum lehnt insbesondere einen Zwang zu Modernisierungsmaßnahmen ab. Die umfassende energetische Sanierung eines Hauses bedarf in der Regel eines höheren fünfstelligen Betrags. Eine Amortisierung durch sinkenden Energieverbrauch und geringere Kosten sind bis zur nächsten fälligen Modernisierung kaum zu erwarten. Selbst bei steigenden Energiekosten verkürzt sich die Zeit der Amortisierung nur unwesentlich.

In dieser aktuellen Debatte verstärkt der Verband Wohneigentum seine Forderungen an die Politik:

  • Planungssicherheit für die selbstnutzenden Wohneigentümer bei den gültigen Anforderungen: Die Energie-Einsparverordnung darf für Bestandsimmobilien nicht verschärft werden.
  • Wahlfreiheit: Hauseigentümer sollten Sanierungs-Maßnahmen und -Techniken frei wählen können. Eine entsprechende Förderung aller technisch effektiven Instrumente, die die Energieeffizienz nachprüfbar steigern, ist notwendig.
  • Planungssicherheit bei der Förderung: Zuschüsse und Kreditverbilligungen müssen stabil bleiben, die Einführung der steuerlichen Absetzbarkeit von Sanierungskosten wäre sinnvoll.
  • Alltagstauglichkeit von Förderung: Die stufenweise energetische Sanierung in Form von Einzelmaßnahmen muss möglich sein. Dringend erforderlich sind die unbürokratische Vergabe von Zuschüssen, die Einführung und Ausgestaltung steuerlicher Absetzbarkeit der Kosten für entsprechende (Einzel-) Maßnahmen sowie die spürbare Unterstützung bei Energieberatung und Baubegleitung.

Unbedingt notwendig sind außerdem eine positive Information und Werbung für energetische Sanierung und die Fördermöglichkeiten. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit energetischer Sanierung sollte geschärft werden, um bei ohnehin geplanten Renovierungen, etwa bei Erwerb einer Gebrauchtimmobilie, Bereitschaft zu entsprechenden Maßnahmen zu wecken. Die Drohung mit Zwangsmaßnahmen und instabile Förderprogramme hemmen jeden freiwilligen Entschluss. Eine Verschärfung der Energieeinspar-Verordnung ist daher kontraproduktiv. Der Erfolg der Energiewende setzt Planungssicherheit und Wirtschaftlichkeit für alle Beteiligten voraus.



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